Das zweisprachige Radio

Radio Indigene Peru

Das zweisprachige Radio

Während Jahrhunderten wurde in Peru die indigene Kultur unterdrückt. Diese Unterdrückung dauert bis heute an, insbesondere im Bildungssystem und in den Medien. Hier setzt das Radioprojekt von Pukllasunchis an.

Kinder produzieren in der Schule bilinguale und interkulturelle Radioprogramme. Sie werden somit aktiv in den Schulunterricht einbezogen und setzen sich mit indigenen Weltanschauungen und Wissen auseinander. Das Radioprojekt erleichtert den Lehrpersonen den Zugang zum interkulturellen und bilingualen Unterrichten. Die Kinder stärken ihr Selbstbewusstsein, festigen ihre Muttersprache und setzen sich mit ihrem kulturellen Hintergrund auseinander. Im Teilprojekt „Kommunikationsleaderinnen“ werden indigene Frauen zu kommunalen Kommunikatorinnen ausgebildet und produzieren ebenfalls mehrsprachige und interkulturelle Radioprogramme.

Die Radioprogramme werden in lokalen und regionalen Radiosendern ausgestrahlt und geben den Kindern, den Frauen und den indigenen Gemeinschaften in den Medien eine hörbare Stimme. Das Projekt liefert den Schlüssel zu Gleichheit und Gerechtigkeit im Bildungssystem, gibt den Frauen in den Medien eine hörbare Stimme und indigenem Wissen einen Platz. Die Radioprogramme werden von Pukllasunchis gesammelt und von Bildungseinrichtungen als interkulturelles Lehrmaterial eingesetzt. Das Projekt unterstützt den dringend notwendigen Demokratisierungsprozess in der peruanischen Gesellschaft.

Christine Appenzeller

Geschäftsleiterin von PUKLLASUNCHIS, Peru

„Seit 1980 pflegt Pukllasunchis menschliche Werte, setzt sich für die Gleichberechtigung von allen Menschen ein und sieht in der Diversität eine Bereicherung für alle.“

«Las Pioneras» für ein besseres Leben

«Las Pioneras» für ein besseres Leben

Unsere Partnerorganisation IDEMNNA (Instituto de Desarrollo „Maria Elena Moyano“) arbeitet in Peru in einem Aussenviertel der Hauptstadt Lima, wo Migrantenfamilien aus verschiedenen Teilen des Landes leben. Ziel des Projektes ist es, die Lebensbedingungen von Frauen und ihren Kindern ganzheitlich zu verbessern. Die persönliche Entwicklung der Frauen steht im Zentrum und ihre Selbstständigkeit soll durch den Aufbau von eigenen Kleinunternehmen gefördert werden.

In der Hoffnung auf ein besseres Leben und Zukunftsperspektiven ziehen tausende Menschen aus allen Landesteilen Perus in die Hauptstadt Lima. Aufgrund der massiven Zuwanderung und des unkontrollierten Siedlungsbaus ist rund um Lima in den letzten Jahrzehnten regelrecht eine zweite Stadt entstanden. Unsere Partnerorganisation IDEMNNA arbeitet in der Gemeinde „Villa El Sol“ in Jicamarca, die im östlichen Grossraum von Lima liegt und wo Migrantenfamilien aus verschiedenen Regionen Perus wohnen. Die Lebensbedingungen hier sind äusserst prekär: Die Grundversorgung – Wasser, Abwasser, Elektrizität, Gesundheit, Grünflächen – fehlt. Gewalt, Alkohol, Drogen und der Landhandel verursachen massive Probleme. Die meisten Familien leben in bitterer Armut. Viele Frauen sind alleinerziehend und die Mehrheit von ihnen hat psychische oder physische Gewalt erlebt.

Unsere Partnerorganisation IDEMNNA arbeitet hier mit Frauen und deren Kindern. Ziel des Projektes ist es, das Zusammenleben in den Familien zu verbessern, die Frauen in ihrer persönlichen Entwicklung und in ihrer Selbstständigkeit zu fördern und die Solidarität im Viertel zu stärken. Bei IDEMNNA finden die Frauen einen sicheren Ort, wo sie sich über ihre Gewalterfahrungen und über Erziehungsprobleme austauschen können. Dieser Austausch unter den Frauen ist ein wichtiges Prinzip. Die Frauen, die durch IDEMNNA unterstützt werden, gründeten eine Gruppe und gaben sich den Namen „Las Pioneras“ – Pionierinnen. Sie erhalten psychosoziale Beratung sowie praktische Tipps zur Selbsthilfe. Gleichzeitig geht es darum, die Frauen in ihrer finanziellen Eigenständigkeit zu unterstützen, über die Entwicklung von eigenen Geschäftsideen und mit Kleinkrediten als Starthilfe. Neben der Arbeit mit den Frauen vor Ort sucht IDEMNNA konsequent die Kooperation mit den zuständigen Behörden und öffentlichen Autoritäten, was in diesem Kontext nicht einfach zu erreichen ist.

Das Projekt startete 2017 mit zwei Mitarbeitenden, die freiwillig und mit viel Eigeninitiative und Engagement das Projekt ins Leben riefen. 2018 unterstützte EcoSolidar zunächst ein Pilotprojekt zur Stärkung der Frauen. Der engagierte Start der kleinen Organisation überzeugte uns: IDEMNNA leistet ganzheitliche Arbeit «von unten» und orientiert sich dabei an den Ressourcen der Frauen. 2019 entschied EcoSolidar, ein 3-Jahresprojekt zu unterstützen.

Sandra Tabita Lozano Rodriguez

Projektkoordinatorin, IDEMNNA, Peru

„Unser Ziel ist es, dass Frauen, Kinder und Jugendliche ihre menschlichen und unternehmerischen Fähigkeiten unter würdigen Bedingungen stärken und entwickeln können. Dazu schaffen und fördern wir Raum zur Selbsthilfe. Wir wollen zum Aufbau einer gerechten, solidarischen, gewaltfreien und gesunden Gesellschaft in Koexistenz mit ihrer Umwelt beitragen“.

Unterstützung für indigene Studierende in der Stadt

Unterstützung für indigene Studierende in der Stadt

Immer mehr Jugendliche aus indigenen Dorfgemeinschaften im peruanischen Amazonasgebiet ziehen für eine Ausbildung nach Puerto Maldonado. In der Stadt angekommen, stehen viele vor existenziellen Problemen. Unsere Partnerorganisation FENAMAD unterstützt die Jugendlichen in ihrem Lebensalltag so, dass sie ihr Studium abschliessen können.

In den letzten Jahren ist die Zahl indigener Jugendlicher, die für das Studium nach Puerto Maldonado ziehen, konstant gestiegen. Für sie und ihre Familien ist das eine Chance, um sich beruflich zu entwickeln und ein besseres Leben führen zu können. Die Absprungrate der Jugendlichen aus dem Studium ist jedoch hoch: Viele indigene Familien sind arm, den Studierenden fehlt es in der Stadt an einer stabilen Wohnsituation, gesunder Ernährung und einer adäquaten Betreuung. Hinzu kommt, dass die Diskriminierung der Indigenen und die sozialen Probleme in Puerto Maldonado wie Kriminalität, Prostitution und fehlende Freizeitangebote, sehr gross sind.

Das Wohnhaus, das von FENAMAD gemeinsam mit den Jugendlichen renoviert wurde, bietet den Studierenden einen geschützten Raum, wo sie wohnen und lernen können. Eine psychologische Fachperson betreut sie individuell, um sie in ihrem Selbstbewusstsein und bei der Entwicklung ihrer Zukunftspläne zu unterstützen. Ausserdem erhalten sie Nachhilfeunterricht und können künstlerische Workshops besuchen.

Mit der Unterstützung dieses Projektes wollen wir auch einem Missstand entgegentreten, mit dem sich unsere Partnerorganisation FENAMAD konfrontiert sieht: Bei internationalen Organisationen haben Projekte zum Schutz des Regenwaldes und zur Verteidigung der Rechte indigener Gemeinschaften klar Präferenz. Solche Projekte sind zweifellos wichtig, doch finden daneben die Probleme indigener Menschen im städtischen Umfeld kaum Beachtung und finanzielle Mittel für solche Projekte sind nur sehr schwer zu finden. EcoSolidar hat sich für dieses Projekt entschieden, weil es einem dringenden Bedürfnis der betroffenen Bevölkerung entspringt, das bisher vernachlässigt wird.

Julio Cusurichi

Präsident von FENAMAD, Peru

„Das Hauptziel von FENAMAD ist die Verteidigung der Rechte der indigenen Gemeinschaften auf Selbstbestimmung, Territorium und kulturelle Identität. Es hat für uns Priorität, die jungen Menschen unserer Gemeinschaften in unser Engagement einzubeziehen. Sie sind es, die unsere Geschichte erben und von denen unsere Zukunft abhängt.“

Projektbesuch in Peru

Im Oktober besuchten wir unseren Projektpartner Pukllasunchis in Peru. An den Primarschulen in Ccoñamuro und Chillihuani produziert die Organisation Radioprogramme, die in der ganzen Region ausgestrahlt werden. Parallel dazu bildet Pukllasunchis die LehrerInnen in interkultureller Pädagogik aus. Für die SchülerInnen, die aus indigenen Gemeinschaften kommen und Quechua sprechend sind, ist das von grosser Bedeutung: Bis vor kurzem war die Schule in Peru ein Ort, wo Kindern vor allem Spanisch und die westlich geprägte urbane Kultur gelehrt wurden. Dank dem Radioprojekt können die Kinder ihre Lebenswelt in den Unterricht einbringen und ihr Selbstvertrauen und ihre kommunikativen Kompetenzen stärken. Wir haben zwei der Kinder in ihrem Schulalltag begleitet – Henry, der die Schule in Ccoñamuro besucht und Ermelinda, die in Chillihuani zur Schule geht.

Projektbesuch in Peru

Im Oktober besuchten wir unseren Projektpartner Pukllasunchis in Peru. An den Primarschulen in Ccoñamuro und Chillihuani produziert die Organisation Radioprogramme, die in der ganzen Region ausgestrahlt werden. Parallel dazu bildet Pukllasunchis die LehrerInnen in interkultureller Pädagogik aus. Für die SchülerInnen, die aus indigenen Gemeinschaften kommen und Quechua sprechend sind, ist das von grosser Bedeutung: Bis vor kurzem war die Schule in Peru ein Ort, wo Kindern vor allem Spanisch und die westlich geprägte urbane Kultur gelehrt wurden. Dank dem Radioprojekt können die Kinder ihre Lebenswelt in den Unterricht einbringen und ihr Selbstvertrauen und ihre kommunikativen Kompetenzen stärken. Wir haben zwei der Kinder in ihrem Schulalltag begleitet – Henry, der die Schule in Ccoñamuro besucht und Ermelinda, die in Chillihuani zur Schule geht.

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Henry hat nicht weit zur Schule. Zu Fuss ist er in drei Minuten dort.

Die Schule von Ccoñamuro liegt auf 3’900 M.ü.M.

Für die Tonaufnahmen studieren die Schulklassen ganze Theaterstücke zu einem bestimmten Thema ein. Meistens machen sie die Aufnahmen unter freiem Himmel. Henry und ein Schulkollege transportieren den Lautsprecher, über den sie die nötige Musik für ihr «Theaterstück» abspielen werden.

Die Kinder wissen genau, wie sie besimmte Geräusche für die Tonaufnahmen immitieren können.

Alle Aufnahmen werden immer im Beisein von allen SchülerInnen gemacht. Die LehrerInnen, die am Projekt teilnehmen, sind engagiert und wissen ganz genau, für was sie ihren Einsatz leisten.

Henry übernimmt auch die Rolle des Kommentators.

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Zwischen den einzelnen Tonaufnahmen gibt es oft Zeit für Spiel, Spass und Tanz.

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Zuhause erledigt Henry verschiedene Aufgaben. Neben jenen für die Schule hilft er auch im Haushalt mit. Wenn seine Eltern nicht zu Hause sind, ist er auch für Anliegen der Nachbarn zuständig.

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Die Meerschweinchen, die seine Eltern züchten und an Restaurants verkaufen, füttert er besonders gern.

Im Unterricht verbindet der Lehrer das Thema des Radioprogramms mit Schulstoff, oft auch mit Mathematik. Rechenaufgaben machen Henry dann besonders Spass, wenn sie mit einer Geschichte verbunden werden können.

Fürs Mittagessen sorgen die Mütter der SchülerInnen, die sich in dieser Aufgabe regelmässig abwechseln.

Im Nachbarsdorf befindet sich das Studio des «Radio Ausangate». Hier werden die Radioprogramme der Landschulen regelmässig ausgestrahlt. Radio Ausangate ist ein Radiosender unter vielen, die diese Radioprogramme ausstrahlen.

Ermelinda und ihre Kolleginnen auf dem Weg zur Schule in Chillihuani. Das Dorf liegt etwa eine dreistündige Autofahrt von Ccoñamuro entfernt.

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Die Mädchen versuchen immer, in einer möglichst grossen Gruppe zur Schule zu gehen. Das macht viel mehr Spass.

Um noch rechtzeitig zum Unterricht zu kommen, müssen die letzten Meter dann jeweils sehr schnell zurückgelegt werden. Heute erst recht, denn Pukllasunchis kommt für die Tonaufnahmen.

Die letzten Vorbereitungen dafür werden noch im Klassenzimmer getroffen. Die LehrerInnen Delia Espinoza sagt: «Für mich als Lehrerin gibt es eine Zeit vor und eine nach dem Radioprojekt. Das Projekt gibt den indigenen Kindern und ihrer Kultur Anerkennung. Sie öffnen sich und fühlen sich Teil des Unterrichts und der Gruppe. Dies fördert ihre Bereitschaft zum Lernen und das zählt unglaublich viel hier.»

Das Thema für die Radiosendung, für das sich die Klasse entschieden hat, ist die «Heirat». Sie wollen aufnehmen, wie in ihrer Dorfgemeinschaft geheiratet wird. Vor den Aufnahmen noch stehen die Buben auf einer Seite…

… und die Mädchen auf der anderen Seite.

Als die Aufnahmen dann beginnen, mischt sich die Gruppe allmählich.

Jetzt treten verschiedene Akteure auf: hier zum Beispiel der Ritualführer …

… die Erzählerin, …

… eine Köchin, …

… die Chicha (Maisbier), das an keinem Fest fehlen darf, …

… die tanzenden Gäste, …

… und immer wieder Ermelinda, die bei diesen Tonaufnahmen, die aber in Tat und Wahrheit ein phantastisches Theaterstück sind, voll aus sich herauskommt.

Die Lehrerin Delia geht auch voll mit und freut sich, als ob sie Teil der Klasse wäre.

Nach dem eigentlichen Stück stellen sich alle Kinder noch vor. Das Wichtigste dabei sind für die Kinder die Grüsse an ihre Eltern, Geschwister und Verwandten, die in ein paar Wochen diese Sendung über das Radio hören werden.

Zum Schluss dann noch ein Gruppenbild. Die Kinder sind stolz darauf, dass sie ein äusserst gutes Feedback von Pukllasunchis erhalten haben.

Delia, die Lehrerin, besucht regelmässig die Eltern ihrer SchülerInnen. Ermelinda spielt in ihrer Freizeit mit ihren Cousinnen und Freundinnen, und sie hilft zu Hause im Haushalt. Zum Beispiel unterstützt sie ihre Mutter beim Kochen.

An Besuch fehlt es nie bei Ermelinda, denn sie und ihre Mutter sind  bekannt als gute Gastgeberinnen. Wenn alle gerade Zeit haben, zeigt Ermelindas Mutter den Mädchen ein paar Tricks in der Textilkunst.

Und wenn es kühler wird, unterhalten sie sich im etwas wärmeren Esszimmer.