Zweisprachiges Radio

In Cusco, Peru, produzieren indigene Kinder in der Schule zweisprachige und interkulturelle Radioprogramme. Sie werden somit aktiv in den Schulunterricht einbezogen, stärken ihr Selbstbewusstsein, festigen die Kenntnisse ihrer Muttersprache und setzen sich mit ihrer kulturellen Herkunft auseinander. Die Radioprogramme werden über regionale Radiosender ausgestrahlt und machen die Stimmen der Kinder und der indigenen Gemeinschaften in den Medien hörbar. Sie dienen in der Schule wiederum als interkulturelles Lehrmaterial, indem die Kinder die Radioprogramme anderer Schulen hören und darüber diskutieren. Das Radioprojekt von Pukllasunchis leistet einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Gleichberechtigung in der Schulbildung.

Fotoreportage aus dem Projekt in Peru

An einer Schule in Chillihuani nimmt eine Schulklasse ein Radioprogramm auf. Oft stellen die Kinder die Geschichten, die sie erzählen, als Theaterstücke mit Verkleidung und Requisiten dar. In dieser Aufnahme geht es um ein traditionelles Ritual der indigenen Schafzüchter. 

2_FR_PUKLLAY

Die Teilnahme stärkt die Kinder als Gruppe wie auch als Individuen. Sie übernehmen Verantwortung für das gemeinsame Radioprogramm, festigen die Kenntnisse ihrer Muttersprache und stärken ihr Selbstbewusstsein. Zudem haben sie grossen Spass dabei. 

Die Lehrerin ist begeistert vom Radioprojekt und unterstützt ihre SchülerInnen gerne dabei. Sie hat bei Pukllasunchis eine Weiterbildung besucht und neue Unterrichtsmethoden kennen gelernt: Ihr Unterricht ist partizipativ, sie benutzt visuelle Lernhilfen, das Klassenzimmer ist farbenfroh und es herrscht ein angenehmes Lernklima. 

Ermelinda geht auf diese Schule und ihr gefällt es sehr, die Radioprogramme aufzunehmen. Die Klasse entwickelt das Programm gemeinsam: Sie bestimmen das Thema, überlegen sich den Ablauf und verteilen die Rollen. Jedes Kind kommt zu Wort und kann seinen/ihren Teil beitragen.

Henry geht auf eine Landschule in Ccoñamuro. Regelmässig produzieren er und seine KlassenkameradInnen Radioprogramme. Hier erzählt Henry von seinem Alltag und den traditionellen Zeremonien, die er mit seiner Familie durchführt. Die Radiosendungen werden von anderen Klassen angehört und der Inhalt diskutiert.

Die Schule, die Henry besucht, ist sehr klein und die meisten Kinder sprechen Quechua. Ihre Mütter bereiten abwechslungsweise das Mittagessens zu, das die Kinder dann gemeinsam essen. 

Zu Hause muss sich Henry um die Meerschweinchen kümmern.

Wie viele andere in der Gemeinde züchtet und verkauft seine Familie Meerschweinchen (Cuy), die in Peru eine beliebte Speise sind. Daneben haben die meisten Familien ein Stück Land und einige Kühe. 

Constantino bei der Arbeit. Er leitet die Radiostation Ausangate. Sie befindet sich in Quispicanchi, in der Region Cusco. Unter anderem hier werden die Radioprogramme ausgestrahlt. 

Sie erreichen viele indigene Familien auf dem Land und in der Stadt. Die Sendungen haben einen hohen Stellenwert, da sie Informationen aus anderen Regionen bringen und das Gemeinschaftsgefühl stärken.

In einer Weiterbildung für Lehrpersonen bei Pukllasunchis stellt Yovana Huanca Huallparimachi die vielen Facetten des Radioprojekts im Unterricht vor. Die LehrerInnen lernen vieles zum Thema zweisprachiger und bikultureller Unterricht, das sie praktisch umsetzen können. Motivierend finden sie auch die grossen Veränderungen bei den SchülerInnen, die dank der Teilnahme am Radioprojekt selbstsicherer werden und im Unterricht aktiver teilnehmen.

An Anlässen der Schulen präsentieren die Schüler und Schülerinnen den stolzen Eltern und anderen Interessierten ihre verschiedenen Projekte. 

Dazu gehören in Chillihuani bespielsweise Karten der Umgebung mit den wichtigen natürlichen Ressourcen, Darstellungen der Geschichte und Kultur der Region sowie die Produktion von Radioprogrammen.

Seit Beginn der Corona-Krise sind die Schulen in Peru geschlossen. Gerade für indigene Familien auf dem Land ist es unmöglich, den digitalen Zugang zur Schulbildung für ihre Kinder zu gewährleisten. Es fehlen die elektronischen Geräte und der Zugang zum Internet. Pukllasunchis erarbeitete gemeinsam mit LehrerInnen Schulmaterialien für den Online Fernunterricht und Schullektionen für das Radio. Kinder mit Zugang zu Mobiltelefonen und Internet konnten den Unterricht mitgestalten. Sie schickten Video- und Audioaufnahmen zu den Schulthemen an Pukllasunchis, die diese dann über das Internet und über das Radio weiteren SchülerInnen zur Verfügung stellten. So erreichten sie viele Kinder in ländlichen Gebieten, die sonst während dieser Zeit keinen Zugang zu Bildung gehabt hätten. Das Radioprogramm hat in dieser Zeit eine zentrale Rolle eingenommen: Über zusätzliche Radioprogramme wurden Schullektionen ausgestrahlt und auch Informationen über Corona mit der Figur Capitán Jabón (Kapitän Seife) verbreitet (https://redsisicha.home.blog).